La première
occupation des locaux fut complétée, a partir de 1942, par
l'installation d'une Oberschule de Mannheim au collège de Zillisheim.
Elle n'était pas comparable a la précédente et n'avait
pas de relation avec elle. Il s'agissait du transfert de trois classes
qui voulaient échapper aux bombardements qui menaçaient
les pays rhénans. Est-il étonnant que les anciens de cette
dernière aient gardé un bon souvenir de leur court sejour
dans ce havre de calmee et de paix ? Déjà, l'un des leurs,
le Prof. Dr. Günter Biemer, professeur émerite, de théologie
a l'université de Fribourg-en-Brisgau et aujourdhui curé
en Forêt-Noire, avait pris l'initiative en 1980 d'inviter ses anciens
camarades de classe à revenir à Zillisheim et d'y raviver
leurs souvenirs. Il nous raconte ses souvenirs dans l'article qui sult.
Une autre classe, d'ailleurs, de cette même Oberschule
suivra cet exemple le 8 mai 1996. Le bulletin de notre collège
s'intitule Le Pont. Ces visites ne sont-elles pas l'occasion
de jeter un pont pardessus les nationalités ? Au-delà des
frontières et des vicissitudes de l'histoire, I'homme peut toujours
retrouver ce qui relie tous les hommes dans une même humanité.
N'est-ce pas la aussi l'un des aspects de notre vocation européenne?
1. Ankunft
und Anlänge
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Nach den schweren Luftangriffen
in der Nacht vom 5. bis 6. September und 23. bis 24. September 1943, setzten
die Nazi-Behörden der Stadt Mannheim die schon länger geplante Evakuierung
der Kinder aus der Stadt in die Tat um. Am 18. Oktober 1943 rollte der
Zug mit einigen hundert Mannheimer Kindern über Rastatt und Straßburg
ins Oberelsaß. Darunter waren die ersten vier Klassen der Mannheimer Moll-Oberschule.
In Mülhausen stiegen wir in den Vorortzug nach Brunstatt, Zillisheim.
Die Fahrt des Sonderzuges hatte den ganzen Tag in Anspruch genommen, und
wir kamen müde und erschöpft mit unserem Gepäck im-Hinterhof eines unüberschaubar
großen Gebäudes an. Da uns niemand erklärte, wo wir waren, schrieb ich
meinen Eltern auf einer Postkarte unseren Ersteindruck."Es ist hier tatsächlich
ein großes Kloster. Hier gibt es keine Schulglocke sondern eine Kirchenglocke
mit einem Lederstrick".Diese Glocke befand sich auf dem oberen balkonartigen
Korridor im Freien. dort, wo die Kirche an das große Gebäude des Westflügels
angrenzt, im Freien. Dahinter - in Richtung Süden des Gebäudekomplexes
- war der eine unserer beiden Schlafsäle. darüber eine Etage höher. der
zweite. In beiden Sälen wurden etwa 45 Jungen untergebracht. Drei bis
vier Reihen von Betten gliederten den Saal, an den Wänden befanden sich
Holzschränke, die wir Spinde nannten. Am Eingangsteil der Säle waren Wasserhähne
über langgezogenen Emailbecken zur Morgentoilette. Im oberen Schlafsaal
waren die Jungen der 1. und 2. Klasse (11 und 12 Jährige), im unteren
die 13. und 14. Jährigen. Die 5. Klasse unserer Schule war nicht mitgekommen,
weil man ab 15-16 zu den "Flak-Helfern" (Fliegerabwehrkanone) eingezogen
wurde, um die Stadt gegen Luftangriffe zu verteidigen. Innerhalb weniger
Tage machten wir uns im Norwestteil des Gebäudes heimisch. Direckt unter
unserem Schlafsaal war en Theatersaal, in dem mitunter Filme,Theaterstücke
in elsässischer Mundart von einheimischen Ensembles vorgeführt wurden
sowie Feierstunden und auch jene ominöse Musterung stattfand, auf die
ich noch zu sprechen komme. Angrenzend nach Norden hin war der gemeinsame
Speisesaal, in dem die Schüler der "Oberschule" mit den Mannheimer Schülern
vom KLV-Lager die Mahlzeiten gemeinsam einnahmen jedoch in verschiedenen
Teilen des Saales und an getrennten Tischen - wie die Südhälfte des Ostflügels,
so gehörte auch der gesamte Südflügel zu unserem Aufenthaltsbereich. Auf
beiden Etagen waren Klassenzimmer., wo sich der normale Schulunterricht
abspielte. Zum Direktionszimmer von Herrn Autenrieth beziehungsweise Studienprofessor
Böhmel, die in der 2. Etage der äußersten Südwestecke residierten, hatten
wir nur in Ausnahmefällen Zutritt. In den Bereich des Nordflügels kamen
wir während der ganzen Zeit unseres Aufenthaltes nie. Da wir durch den
Hinterhof in den Gebäudekomplex gekommen waren, dauerte es einige Tage,
bis wir die geräumige Eingangshalle entdeckten, wo ein gutmütiger Hausmeister
uns auch Bildpostkarten des Hauses verkaufte. Sie trugen die Aufschrift
"Petit Séminaire de Zillisheim (Alsace).Weil wir keine Ahnung hatten,
was ein Séminaire geschweige Petit Séminaire war, blieb es unserer Phantasie
überlassen sich vorzustellen, was das bedeute. Wir spürten, daß wir Eindringlinge
in fremdem Eigentum waren. Aber darüber wurde nie gesprochen.
2. Ernteeinsatz
in Hegenheim
Kaurn eine Woche war vergangen,
als unser Lagerleiter uns 16 Jungen der 4. Klasse, für einen Ernteeinsatz
zum Kartoffelausmachen in Hegenheim abkommandierte. Er motivierte uns
mit der Auskunft, daß wir selbst Kartoffeln für unser Lager bekämen. Bei
dein kleinen Ort in der Nähe von Saint-Louis waren große Kartoffelfelder
abzuernten. Dazu zog man Mannheimer Schüler aus XLV-Lagern, zusammen.
Mitten in Hegenheim in einem kleinen Schlößchen siedelten wir in einem
Zimmer mit etwas Stroh auf blankem Parkettboden. Als trotz Kälte und ganztägiger
Arbeit keine Feldküche erschien, um uns eine Mahlzeit zu bereiten, beschlossen
wir, unsere Koffer zu packen. und marschierten gemeinsam zur nächsten
Bahnstation. Doch der Adjutant des Bannführers von Mülhausen, den wir
seines dicken Revolvers wegen Colt-Müller nannten, holte uns auf seinem
Motorrad ein. Wir wurden der Meuterei bezichtigt und zwangsweise zur Weiterarbeit
zurückgeholt. Eltern, die zu Hause von unserer Situation erfahren hatten.
kamen persönlich, um nach uns zu schauen. An den langen Abenden gingen
wir mitunter hinaus an die Schweizer Grenze. von wo aus man die Lichter
der hellerleuchteten Stadt Basel sehen konnte und die Glocken herüberläuten
hörte. In solchen Augenblicken redete keiner, denn niemand wollte zu erkennen
geben, daß er mit den Tränen kämpfte. Als wir von Hegenheim nach Zillisheim
zurückkehrten, hatten wir heimatliche Gefühle, und das Leben im KLV-Lager
erschien uns nahezu paradiesisch.
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3. Alltag im KLV-Lager
Unser Tagesablauf war genau
durchgegliedert mit Schwerpunkt auf Unterricht, sportlicher Betätigung
und paramilitärischem Drill. Nach dem Aufstehen begaben wir uns in Gruppen
von zehn Leuten zum kalten Duschen in die Kelleretage. Vor dem Frühstück
war Schul-Appell. Während des Vormittags fanden fünf Schulstunden statt.
Nach dem Mittagessen war Liegestunde, danach Sport. und nach dem Kaffee
um 16 Uhr 30 begannen die Arbeitsstunden für die Hausaufgaben. Nach dem
Abendessen fanden Arbeitsgemeinschaften ihre Zeit. Um 21 Uhr 30 war Bettruhe
angesagt. An zwei Nachmittagen der Woche war Marschieren in Formation
angesagt. Kleinere Dienste, wie Umräumen von Klassenzimmern. Austausch
von Betten, regelmäßige Reinigungsarbeiten wurden von uns selbst erledigt.
Mit einem solchen Arbeitstrupp kam ich das einzige Mal ins Innere der
großen Kirche. Sie war vollkommen zugestellt mit Schulbänken und meterhoch
aufeinandergetürmten Strohballen. Es war kaum ein Durchkommen möglich
und man bekam keinerlei Blick auf die Schönheit des Raumes. Von Kriegseinwirkungen
lasen wir jetzt nur noch in den Briefen und Nachrichten von zu Hause.
Am 18.-19. November 1943 war einer der schwersten Luftangriffe auf die
Industriegebiete von Nord- und Ost-Mannheim. Wir gaben einander die Neuigkeiten
aus den Briefen weiter und waren besorgt, wie es wohl zu Hause ausschauen
würde. In Zeitungsausschnitten hieß es lediglich:"Größere Schäden werden
aus Mannheim gemeldet. Die Bevölkerung hatte geringe Verluste." Eine Abwechslung
bedeutete es für unser "Lagerleben", als am 29. Januar vormittags gegen
11 Uhr vier Flugsicherungsboote auf dem Rhein-Rhone-Kanal von Nord nach
Süd durchgeschleust wurden. Kurze Zeit danach, am gleichen Tag, überquerte
ein viermotoriger amerikanischer Bomber Zillisheim, einer der linken Motoren
brannte, als er in Richtung Altkirch davonflog.
4. Skikurs
in den Vogesen
Zur Wehrertüchtigung wurden
Anfang Februar neun Schüler aus der 4. Klasse in die Vogesen abkommandiert.
Sie wohnten für eine Woche im "Hôtel de Roches", das damals Felsenhotel
hieß. Auf den überstempelten Postkarten konnte man den Originalnamen ausfindig
machen. Unter der Anleitung von Unteroffizieren der Gebirgsjäger mußten
oder durften sie - je nach persönlicher Auffassung - das Skilaufen erlernen.
Nach dieser für die meisten höchst willkommenen Möglichkeit zum Wintersport
kehrten sie fröhlich und erfrischt ins Schulleben des KLV-Lagers zurück.
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5. Frühjahr
und Ostern 1944
Dem Frühjahr zu, als die Tage
länger und die Aufenthaltsmöglichkeiten im Freien erfreulicher wurden,
begannen wir, die Umgegend von Zillisheim an Nachmittagen zu erwandern:
Fröningen und Hochstatt, vor allem den Weg entlang dem Rhein-Rhone-Kanal
nach Norden, gingen wir in langen Wanderungen. Einige der Tümpel zwischen
unserem Schulgebäude und Fröningen suchten wir in einer kleinen Gruppe
häufig auf, um dort die verschiedenen Wassertiere zu beobachten. Eine
biologische Arbeitsgemeinschaft war die Frucht der Befassung mit der Landschaft
in der näheren Umgebung.
Zu Ostern hatten wir zwar schulfrei.
durften aber nicht nach Hause. So waren die Tage in ihrem Verlauf durch
die lange Vormittagsphase noch schwieriger und langweiliger geworden als
während der Schulzeit. Die Karwochen-Liturgie war uns nicht zur Teilnahme
freigegeben. Anderseits sperrte sich der Lagerleiter nicht dem Ansinnen
von drei Schülern, am Ostermorgen, dem 9. April, zur Heiligen Messe zu
gehen. So kam ich mit zwei meiner Mitschüler in die Pfarrkirche von Zillisheim
zum Oster-Hochamt.Wir folgten damit der Anregung unseres Religionslehrers,
des Zillisheimer Pfarrers, der uns über die Gottesdienstzeiten unterrichtet
hatte. Es war allerdings eine Kontrasterfahrung -, denn trotz der f eierlichen
Stimmung in der Gemeinde blieben wir Fremde und gingen wortkarg ins Lager
zurück.
Da war noch das Problem mit
der Osterkommunion. Meine Mutter wies mich in einem ihrer Briefe darauf
hin, und verstärkte so die Einladung des Religionslehrers. Also versuchte
ich dem Lagerleiter die Bedeutsamkeit der Katholischen Osterpflicht klarzumachen.
Er ließ mich in der Tat am folgenden Samstagnachmittag zur Osterbeichte.
Am Weißen Sonntag, dem 16.April, konnte ich in der Pfarrkirche von Zillisheim
zur Osterkommunion. Dieses Mal war ich allein ohne Mitschüler. Die folgenden
Wochen waren so warm und sonnig, daß wir nicht nur unsere Modellboote
auf dem Kanal fahren lassen konnten sondern schwimmend und Wasserball
spielend in den Fluten tummelten. Der "Rhein-Rhône" gehörte zu den hellen
und - besonders bei Heimweh - trostreichen Auf enthaltsorten: schwimmen,
endlos entlang wandern oder auch einfach nur stehen und der Strömung zuschauen
und die Zeit und sich vergessen.
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6. Der
Frühsommer bis zur Invasion
Wir brauchten eine besondere
Genehmigung des Landkommissariats in Mühhausen, um mit der 3. und 4. Klasse
in das Sperrgebiet um Belfort einreisen zu dürfen. Unser Ausflug führte
uns in die Gegend von Pfirt. Und wir wanderten so ausgiebig, daß wir am
Abend mit Blasen an den Füßen und todmüde nach Hause kamen, aber doch
erfüllt von den Eindrücken der sanft geschwungenen Hügel und dem frischen
Grün der Landschaft am Vorabend des Maimonats (der Kommentar aus meinem
Tagebüchlein soll nicht verschwiegen werden : "Wir mußten auf zu vielen
Asphaltwegen gehen, weil wir in Professor Böhmel einen Leiter hatten,
der doch mehr am Wein der Restaurants als an der Landschaft interessiert
war"). Das war am 30. April. Etwa zwei Wochen später, am 11.
Mal fand unser Großes Geländespiel in dem nahegelegenen Wald jenseits
der Bahnlinie statt. Es war tagelang, vorbereitet worden, und alle Schüler
aller Klassen waren daran beteiligt. Es war, als wäre es ein großes Finale,
bei dem wir alle unsere Kenntnisse von Gelände und Spieltechnik einbrachten.
Aber nicht allein das Spiel
als solches war das aufsehenerregende Ereignis des Tages. Vielmehr hörten
wir nach Spielende, als wir gerade im Begriff waren, aus dem Wald nach
Hause zurückzukehren, daß von Brunstatt her die Sirenen Fliegeralarm heulten.
Kurze Zeit danach folgten heftige Detonationen aus der Richtung Mülhausen.
Das Geräusch überfliegender Flugzeuge ließ uns auf Bombenabwürfe schließen.
An irgendeinem während dieser Wochen wurden wir in den Theatersaal befohlen.
wo uns eine dreiköpfige Delegation von uniformierten SS-Männern mit freundlichen
Mienen empfing und uns auf die Möglichkeit aufmerksam machte, schon jetzt
und in freierWahl unsere künftige Waffen- gattung aussuchen zu können.
Einer von ihnen schrieb die Namen und die getroffene Wahl auf, nachdem
sein Kollege fast jeden Jungen belehrt hatte seinen "Wunsch"könne ihm
am besten die Waffen-SS erfüllen. Unvergeßlich ist mir der Mitschüler
aus der 9. Klasse, der neben mir saß und begeistert sagte, er wolle mal
nach Afrika. Es half nichts, auch er landete auf dem Bestellzettel der
SS. Vom Tag der Invasion der Alliierten Streitkräfte in der Normandie
an gab unser Lagerleiter jede Woche einen Abendunterricht über die politische
beziehungsweise militärische Lage. Wir merkten, daß die Situation drohend
zu werden begann und er sich darum bemühte, die Rückschläge der deutschen
Truppen zu beschönigen.
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An einem Mittwochnachmittag
Ende Juni, als wir gerade von ei-nein Marsch zurückgekehrt waren und nach
dem Kommando "weggetreten"zum Kaffee in den Speisesaal stürmten, stand
plötzlich meine Mutter im Hof. Meine Mutter gehörte zwar zu den "einfachen"
Menschen ohne besondere Bildung, hatte jedoch genug Spürsinn und praktische
Intelligenz, um die Parteimechanismen zu durchkreuzen. Sie hatte eine
Erlaubnis besorgt, so dass ich am nächsten Tag das Lager verlassen konnte,
um mit ihr nach Hause zu fahren. Bis dahin war allerdings die Frage der
Übernachtung zu klären. Im Dorf Zillisheim gab es weder ein Hotel, noch
fanden wir private Unterkunft. Meine Mutter bestand darauf, im Wartehäuschen
am Bahnhof zu übernachten. Und von dort holte sie spät abends die Bahnwärterfamille
in ihr Haus, räumte ein Bett aus ihrem Schafzimmer aus und schlug es im
Wohnzimmer für sie auf. Meine Mutter war überwältigt von der Freundlichkeit
der Menschen und hielt einige Zeit brieflichen Kontakt. Es gehörte zu
einem ihrer Wünsche, daß sie - nach Jahren - Zillisheim noch einmal besuchen
wollte. Am 26. März 1965 kehrten wir dahin zurück - von Sankt-Peter im
Schwarzwald kommend, wo ich inzwischen als Dozent am Priesterseminar tätig
war - und suchten nach den Bahnwärtersleuten, vergeblich. Aber ins Collège
Episcopale wurden wir eingelassen. Zum ersten Mal kniete ich nun in der
großen Kirche, lange und versonnen. Um 4 Uhr läutete, draußen die Glocke
zum Kaffee oder Ende des Unterrichts; jedenfalls stürmte eine laut-fröhliche
Schar von Kindern und Jugendlichen durch die Korridore.. Der Kreis schloß
sich. Die Erinnerung war perfekt.
7.
Das Treffen der Ehemaligen
Nach meinem Weggang wurden
auch andere Schüler von ihren Eltern nach Hause geholt. Im Herbst 1944
wurde das XLV-Lager der Moll-Oberschule von Zillisheim nach Furtwangen
im Schwarzwald verlegt. In der Folge wurden einige der älteren Klassenkameraden
zu verschiedenen Heeresgattungen eingezogen: andere wurden zum Bau von
Schützengräben rekrutiert. Nach 35 Jahren, am 1. Adventssonntag, dem 2.
Dezember 1979 traf sich eine Restgruppe von Ehemaligen aus der 4. Klasse.
die untereinander Kontakt gehalten hatten. im Collège Episcopale von Zillisheim.
Wir feierten gemeinsam die Heilige Messe in der Hauskapelle (im Südflügel
des Gebäudes). Wir gedachten unserer toten Mitschülern und waren erfüllt
von Dankbarkeit darüber, daß jene schlimme Situation unseres Lebens und
vor allem das schreckliche Regime, mit dem im Namen Deutschlands so viel
Unheil über Europa gebracht worden war, lange zurücklag. In einem Memorandum,
das nach jenern Besuch verfaßt worden ist, heißt es:
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"Wir werden abbé Aby nicht
vergessen, der uns nach unserem Gottesdienst wie alte Bekannte aufnahm
und uns eine ausführliche, geduldige Führung gab und sich Zeit für uns
ließ. Wir werden nicht vergessen, daß wir noch einmal in den unveränderten
Klassenzimmern waren, wo die Zeit Stillgestanden zu haben schien. Unser
Schlafsaal von einst war verändert, darin waren jetzt Klassenzimmer
eingerichtet. Aber es gab Hauskorridore, die noch so waren, wie wir
sie verlassen hatten. Zumindest schien es uns so, und es tat uns gut,
unsere eigene Geschichte gewissermaßen berühren zu können."
Keiner von uns hatte gewußt,
daß über dem Hauptportal eine kostbare alte Bibliothek steht, deren
Bände bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen: Literatur, Geschichte,
Theologie. Wir hatten jetzt in einer Stunde -unter kundiger Führung
mehr gesehen und verstanden als damals in Monaten. Zu unserem Abschied
schenkten uns Vertreter der jetzigen Direktion des Collége eine Schallplatte
mit den hellen, frischen Stimmen von Kindern lind Jugendlichen, die
Gottes Lob singen. Ohne es verabredet zu haben, hielten fast alle noch
einmal am Rhein-Rh6ne-Kanal an, um auf die schöne Hauptfassade des Kollegs
in der sanften Mittagsonne des Dezembertages zurückzuschauen, vielleicht
auch, um beim Fließen des Kanals Gedanken aus der eigenen Kindheit zu
begegnen."
8. Unheilsgeschichte-Heilgeschichte?
Im Rückblick auf die Szenen
aus einem Knappen Jahr vor einem halben Jahrhundert wird deutlich, daß
unsere einzelnen Biographien und unsere gemeinsamen Erfahrungen ein Stück
Geschichte waren, das wir noch nicht, selbständig hatten gestalten können,
sondern in dem wir uns vorfanden. Es war ein Stück Unheilsgeschichte,
an der unsere Väter sich mehr oder weniger aktiv oder passiv ursächlich
beteiligt hatten. Aus dem großen Abstand werden der Zusammenhang und die
Verantwortung überschaubar. Zugleich wird der Weg, den Charles de Gaulle
und Konrad Adenauer eingeschlagen haben, in seiner segensreichen Auswirkung
sichtbar. Gerade uns, der älteren Erwachsenengeneration, erscheint es
als kostbares Anliegen, daß die Geschichte des Heils, die sich zwischen
den Völkern Europas zu stabilisieren beginnt, auch den Schülerinnen und
Schülern der Kommenden Jahrzehnte erhalten bleibt.
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